10.6.07

Hedonistisches Flanieren

"wandern, d.h. das einstmals noch zweckungebundene fortbewegen über stock und stein, ist heute vor allem zu einem ritus der innerlichkeit verkommen. heute wandert nur noch derjenige, der das diffuse bedürfnis spürt, 'zu sich' kommen zu wollen. nicht nur hape kerkeling ist diesem spirituellen drang nach sinnsuche verfallen; ganze heerscharen schnüren heute die wanderschuhe, um wieder - in praktischer anlehnung an die befindlichkeitsontologie heideggers - mit sich'ins lot' zu kommen. selbsterfahrung durch naturerfahrung - das ist hier das stichwort.

ich dagegen sag immer 'wer sich selbst erkennen will, der möge in den spiegel schauen'.
mir ist es dementsprechend ein wichtiges anliegen, das wandern von diesen zutiefst regressiven aneignungstendenzen zu befreien, diesem kult der eigentlichkeit in form einer theorie 'genussbezogenen wanderns' einen kontrapunkt entgegenzusetzen. 'picheln statt pilgern' - das ist mein motto.

mein projektvorhaben:

um sich zuerst begrifflich von der skizzierten zeitgenössisch hegemonialen wanderpraxis abzugrenzen, soll das, was gemeinhin schlicht unter 'wandern' gefasst wird, bei mir unter dem begriff 'hedonistisches flanieren' laufen.

'hedonistisches flanieren' ist zuerst einmal all das, was 'spirituelles wandern' nicht ist. es handelt sich hierbei in erster linie vor allem um dessen kontrastfolie: es geht also nicht darum, die körperliche anstrengung des gehens einer 'romantischen selbstfindung' zu opfern, nicht geht es um ein 'aufbrechen zu gott', weder um erdverbundenheit noch gar um enthaltsamkeit. ganz im gegenteil:

'hedonistisches flanieren' versteht sich als ein ausschließlich dem spaß an der sache verbundenes
freizeitvorhaben, das praktiken wie nackt- und bierspaziergänge genauso mit einschließt wie exzessives pausemachen oder auch z.B. das einreiben mit gefunden pflanzlichen sekreten sowie das alkoholbedingte schlafen vor - statt in - dem zelt. lusterfahrung statt gotteserfahrung, dekadenz statt demut - das sind die werte, die hier positiv in anschlag gebracht werden sollen.

'keine praxis ohne theorie aber auch keine theorie ohne praxis'. mit anderen worten: unser aller auftrag muss es sein, die 'theorie genussbezogenen wanderns' zu erproben, sie in gelebte praxis zu verwandeln. mit möglichst vielen mitstreitern soll die gemeinsame sache noch diesen sommer - vielleicht im august - vorangebracht werden. konkret bedeutet das: ich möchte mit euch zumindest eine woche 'hedonistisch flanieren' gehen. das 'wo' wäre zweitrangig, doch sollte es schon eine von uns bisher unerkundete gegend sein. wir könnten entweder vollends in der 'natur' bleiben oder auch meinetwegen von dorffest zu schützenfest zu dorffest ziehen, die dorfjugend vermöbeln usw.

wichtig ist mir nur, dass wir die leitlinien des ansatzes befolgen. referate dazu werden noch verteilt.

wer wäre dabei? routenvorschläge?"

2 Kommentare:

  1. bin dabei. route kommt später

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  2. Mein Vorschlag: Harz oder Bayerische Wald, wie gesagt natürlich nur mit Lendenschurz & Rambomesser sowie Schnappo & Mett. kein Spaß: back to the roots, peace, robthecoolcat.

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